Hans Rauh erreicht 1000 Spiele in der Alten Herren
02.09.2010 - Christian Jonczy
Jubiläums-Match gegen den Club
NÜRNBERG - "Solange es noch einigermaßen ästhetisch ausschaut" will Hans Rauh auch weiterhin jede Woche auf dem Fußballplatz stehen. In dieser Woche feierte der 62-Jährige mit dem Duell gegen die Traditionsmannschaft des 1.FC Nürnberg ein ganz besonderes Jubiläum.
Stolze 1000 Spiele hat der "Zehner" bei den Alten Herren der DJK Sparta Noris absolviert. Rechnet man die Partien in der ersten Mannschaft mit ein, kommt Rauh sogar auf über 1500 Einsätze im DJK-Trikot. "Am 10. Juli 1965 bin ich dem Verein beigetreten", erinnert sich Hans Rauh noch ganz genau an den Tag, an dem er sich den Spartanern endlich anschließen durfte. Während seine Freunde schon seit Jahren für Sparta Noris spielten, durfte der junge Hans Rauh nicht im Verein ran. "Erst, wenn du mit der Schule fertig bist", hatte sein Vater immer gesagt.
Tag für Tag kickte der glühende Anhänger des damals so erfolgreichen 1.FC Nürnberg in der Singerstraße und auf dem Melanchthonplatz. Im Rückblick muss Hans Rauh selbst lachen: "Wäre ich im Verein gewesen, hätte ich sicher nicht so oft gespielt." Mit dem Abschluss der mittleren Reife war es endlich soweit. Der 17-Jährige folgte dem Lockruf seiner Freunde, spielte ein Jahr in der Sparta-Jugend und fortan für die erste Vollmannschaft der DJK. Bis 1978 war Rauh die Schaltzentrale im Mittelfeld der ersten Mannschaft. Ob mit dem ruhenden Ball bei Freistößen und Elfmetern oder auch aus dem Spiel heraus: Rauh verkörperte den klassischen "Zehner" und war stets für Tore gut.
An Angeboten anderer Vereine mangelte es dem Torjäger folglich nicht. Ernsthaft in Betracht zog Rauh einen Wechsel aber nie. "Du, wenn weggehst...", hatten seine Kumpels ein ums andere Mal gedroht. Torhüter "Sepp" Seitz, dem selbst ein Angebot vom 1.FC Nürnberg vorlag, hatte Rauh mehrfach prophezeit: "Dich bring´ ich noch zum Club." So weit kam es freilich nie, auch wenn sich Rauh seiner Qualitäten stets bewusst war: "Ich war kein Schlechter", sagt die Offensivkraft, die sich heute aber mit weniger Treffern als noch zu früheren Zeiten zufrieden gibt.
Als Hans Rauh 1978 zu den Alten Herren aufrückte, benötigte er eine gewisse Anlaufzeit, um mit der für ihn ungewohnten Spielweise der älteren Kollegen zurechtzukommen. "Ich spiele den Ball noch immer über 50 Meter genau in den Fuß", erklärt der 62-Jährige. Ähnliche präzise Zuspiele erwartete er auch von seinen laufstärkeren jüngeren Kollegen.
Mit dem Wechsel zu den Alten Herren übernahm Rauh auch Verantwortung im Jugendbereich. "Wenn ich etwas mache, dann auch mit Idealismus", lautet sein Motto bis heute. Rauhs rastloser Einsatz machte sich rasch bezahlt. Während Sohn Oliver 1973 zur Geburt gleich die Vereinsmitgliedschaft erhielt, agierte Vater Hans ab der Saison 1978/1979 als Jugendtrainer, Betreuer und "Mädchen für alles". "Wir haben mit fünf Kindern angefangen und hatten 0:22 Punkte nach der Vorrunde, bei gerade einem geschossenen Tor", erinnert sich Rauh mit einem Schmunzeln: "In der Rückrunde haben wir kein Spiel verloren, in der nächsten Saison sind wir aufgestiegen."
Als die Junioren Jahre später zu den Stammkräften der ersten Mannschaft zählen, sind die Tage in der C-Klasse gezählt. Unter Spielertrainer Stefan Wüst gelang der Ersten in der Saison 1999/2000 gar der Aufstieg in die Kreisliga. Das Wichtigste war und ist für Hans Rauh aber auch heute noch Kameradschaft innerhalb des Vereins. "Die Geselligkeit ist nicht mehr da", klagt Rauh: "Früher sind wir alle auch nach Auswärtsspielen noch zusammengeblieben. Da ist keiner gleich gegangen."
Der Sonntag stand für Rauh ohnehin immer im Zeichen der DJK. "Die Altherrenspiele gingen sonntags bereits um 8.45 Uhr los. Dann kam die A-Jugend um 10.30 Uhr. Anfangs bin ich noch schnell zum Mittagessen heim. Aber um 13 Uhr folgte bereits die Reserve und dann das Spiel der ersten Mannschaft." Meistens hielt sich Hans Rauh fast den ganzen Sonntag auf dem Gelände am Wacholderweg auf. "Ihr Alten werdet immer blöder", musste er sich da schon mal von seiner Frau anhören. Denn auch bei den Alten Herren steckte Hans Rauh nicht zurück: "Es gab keine Saison mit weniger als 40 Spielen" - selbst der Heilige Abend war vor der ein oder anderen Partie nicht sicher. Untreu wurde der 62-Jährige seiner DJK in all den Jahren nie. Selbst sein Schwiegersohn musste erst zu Sparta Noris wechseln, um Rauhs Tochter heiraten zu dürfen. "Er hat sich für Sandra und gegen Eintracht Süd entschieden", erklärt der schmunzelnde Vater diplomatisch.
Nachdem Hans Rauh den Posten des Spielleiters im Jahr 2007 aufgegeben hatte, dachte der 62-Jährige nach internen Querelen zwar kurzzeitig an einen Vereinsaustritt, verwarf diesen Gedanken jedoch rasch wieder. "Du strafst dich ja selbst", hatte er damals zu sich selbst gesagt. Und: "Jetzt brauchst du den Verein auch nicht mehr wechseln." Vor dem großen Spiel gegen die Traditionsmannschaft des 1.FC Nürnberg verspürte Rauh keine Nervosität, gleichwohl er in weiser Voraussicht abwog, rustikal veranlagte Abwehrspieler wie zum Beispiel Helmut Rahner lieber nicht zu tunneln. Ein Tor wollte Rauh erzielen und seiner beeindruckenden persönlichen Bilanz hinzufügen; um die 500 bis 600 dürften es seit 1965 gewesen sein. Doch dieses Vorhaben gelang ihm beim 2:14 nicht.
Quelle:http://www.nordbayern.de
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